Wasserstand der Erft ist gesichert

Stadt handelte Kompromiss mit Ministerium aus

NGZ Neuss-Grevenbroicher Zeitung, 12.11.1999

Von Petra Schiffer

Die Zukunft der Erft im Stadtgebiet Grevenbroich ist für die nächsten zehn Jahre gesichert. In diesem Zeitraum besteht keine Gefahr, dass der Wasserstand des Flusses sinkt oder sogar in heißen Sommern austrocknet. Der Erftverband und die Stadt Grevenbroich haben jetzt mit dem Landesumweltministerium einen Kompromiss ausgehandelt. Die nächsten 10 Jahre wird Rheinbraun Sümpfungswasser aus dem Tagebau Hambach in die Erft ableiten.

Das Flussbett der Erft wurde vor Jahrzehnten ausgebaut, um mehr Wasser transportieren zu können. Der Grund: Rheinbraun leitete Grundwasser aus dem Tagebau Garzweiler in den Fluss. Während vorher fünf Kubikzentimeter Wasser in der Sekunde durch das Grevenbroicher Stadtgebiet geflossen waren, musste die Erft jetzt 30 Kubikzentimeter in der Sekunde aufnehmen. Weil der Tagebau nach Westen wegwanderte, sank der Wasserstand des Flusses auf den heutigen Stand. Durch zahlreiche Wehre an der Erft wurde die Wasserspiegelhöhe jedoch gehalten.

Dennoch schlug der Erftverband Alarm. Denn der Fluss war von den Sümpfungswassereinleitungen aus dem Tagebau abhängig geworden. Die Experten sorgten sich um die Zukunft der Erft, wenn ab dem Jahr 2005 kein Wasser mehr für den Fluss zur Verfügung steht. Im Sommer rechneten sie mit einer Wassermenge von zwei Kubikzentimetern in der Sekunde, in längeren Trockenperioden sei sogar zu befürchten, dass die Erft austrocknet.

Die Lösung schien ein Antrag zu sein, den Rheinbraun im Frühjahr dieses Jahres gestellt hatte: Das Unternehmen wollte bis zum Jahr 2040 Wasser aus dem Tagebau Hambach in die Erft ableiten. Die Stadt Grevenbroich begrüßte diesen Vorschlag aus verschiedenen Gründen: Zum einen wären keine Leitungssysteme erforderlich, da die bereits vorhandenen Verbindungen am Wiebach und am Finkelbach genutzt werden können. Außerdem wäre der Wasserstand des Flusses für 40 Jahre gesichert, und das bedeute: Die Gräben in Neuenhausen, Gustorf und Wevelinghoven bleiben feucht genug, damit sich dort Frösche und Vögel wohl fühlen. Auch die Kanusportler am Alten Schloss könnten aufatmen. Für RWE hätte diese Lösung den angenehmen Nebeneffekt, dass Wasser der Erft weiterhin zum Kühlen der Kraftwerke Frimmersdorf und Neurath verwendet werden könnte.

Während des Genehmigungsverfahrens traten jedoch Schwierigkeiten auf. Das Landesumweltministrium in Nordrhein-Westfalen bevorzugte eine vom staatlichen Umweltamt in Krefeld erarbeitete Variante, nach der das Grundwasser aus Hambach in den Rhein abgeleitet werden sollte. RWE, die Stadt Grevenbroich und der Kreis Neuss protestierten. Jetzt haben sich alle Beteiligten geeinigt und einen Kompromiss gefunden. Die nächsten zehn Jahre wird Wasser aus Hambach durch das Flussbett fließen, danach wird erneut verhandelt. "Wir werden diese Zeit nutzen, um uns weiterhin für eine Sicherung der Erft bis zum Jahr 2040 stark zu machen", erklärte der Technische Beigeordnete der Stadt, Werner Hoffmann. Geachtet werden soll auch darauf, dass ein gleichmäßiger Sauerstoffgehalt des Wassers erreicht wird, damit sich Fische weiterhin in jeder Region der Erft wohl fühlen können.