Erftverband ist Vorreiter bei innovativer Klärtechnik

Bettina Holleczek in der Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 20.07.1999

Seit rund 40 Jahren ist der Erftverband in der Wasserwirtschaft aktiv. Seit Juni nimmt er auf dem europäischen Festland sogar eine Vorreiterrolle auf dem Gebiet der innovativen Klärtechnik ein: Der Verband rüstete seine 4,95 Millionen Mark teure Kläranlage in Titz-Rödingen im Kreis Düren mit neuartigen Membranfilter-Modulen aus, die in der biologischen Stufe der Kläranlage eingesetzt werden. Das Land Nordrhein-Westfalen förderte die Investition mit zwei Millionen Mark. Auch in Kaarst sollen die Abwässer künftig auf dem Wege der integrierten Mikrofiltration gereinigt werden.

Täglich benötige jeder Einwohner des Kreises Neuss rund 150 Liter Trinkwasser - damit seien die rund 450.000 Bürger im Kreisgebiet weitaus sparsamer als die Einwohner der Domstadt, denn die Kölner verbrauchten jeden Tag durchschnittlich 196 Liter pro Person, erläuterte Jens-Christian Rothe, der Vorstand des Erftverbands in seinem Rückblick auf das Wasserwirtschaftsjahr 1998.

Der Erftverband betreibt in seinem Tätigkeitsbereich (er erstreckt sich von der Eifel über Aachen, Köln, Bonn, den Kreis Neuss bis an die niederländische Grenze nach Venlo) rund 60 Abwasserbehandlungsanlagen. Insgesamt 25,4 Millionen Mark investiert der Verband derzeit in den Ausbau der Kläranlage in Grevenbroich-Noithausen. Jens-Christian Rothe: "Der Baufortschritt geht zügig voran." Zum Jahresende soll das Projekt fertiggestellt werden.

Mit "Makkaroni" reinigen

Ganz neue Wege ging der Erftverband beim Bau seiner Kläranlage in Titz-Rödingen: Dem Projekt mißt das Land Nordrhein-Westfalen eine hohe Bedeutung im Hinblick auf die zukünftige Ausstattung kommunaler Kläranlagen bei, denn die Bioreaktoren können dann bei gleicher Größe mit einer fünffach höheren Auslastung betrieben werden (Rothe: "Ein Quantensprung im Klärwerk.").

In Rödingen werden speziell angefertigte Membranmodule direkt in das Belebungsbecken der Kläranlage eingesetzt. Sie bestehen aus einer Vielzahl langer Hohlfasern (ähnlich wie Makkaroni-Nudeln) mit winzigsten Poren, durch die der Belebtschlamm angesaugt wird. Nicht nur die Feststoffe bleiben dabei zurück, sondern als willkommener Nebeneffekt auch Krankheitserreger wie Bakterien und Viren. Ein Nachklärbecken wird überflüssig.

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