Pilot-Anlage soll Gewässer-Belastung reduzieren

Industrie interessiert an Schwermetallen aus Erft

Finanzierung noch nicht geklärt

Von Wiljo Piel in der NGZ Neuss-Grevenbroicher Zeitung 20.07.1999

Würde die Wasserqualität der Erft mit Schulnoten bewertet, bekäme sie am Unterlauf eine wackelnde Zwei, auf jeden Fall aber eine Drei. Dennoch lassen sich zwischen Grevenbroich und Neuss auch Schwermetalle wie Nickel, Zink und Kadmium nachweisen. Sie stammen aus der Nähe von Mechernich in der Eifel und sind für den Erftverband ein Ärgernis. Er hat Gegenmaßnahmen ergriffen und baute eine Versuchsanlage: Sie filtert die Metalle nicht nur heraus, sondern ist auch in der Lage, sie in den Wirtschaftskreislauf einzufügen. Jetzt sucht der Verband nach Finanzierungsmöglichkeiten.

Über eine Distanz von 110 Kilometern schlängelt sich die Erft zwischen Bad Münstereifel und Neuss. Ein Gewirr von Nebenflüssen begleitet sie auf dem Weg zum Rhein. Nicht selten werden dabei große Ballungsräume gestreift, aus denen Abwässer eingeleitet werden. Unweit der Ufer sind daher 60 Kläranlagen in Betrieb, die das Schmutzwasser weitestgehend von Inhaltsstoffen befreien.

Dazu gehören beispielsweise Phosphate, die für ein explosionsartiges Wachstum von Wasserpflanzen verantwortlich sind. Zwar übt diese Flora auf den Betrachter einen gewissen Reiz aus, doch hat sie für den Experten drei Nachteile: sie gefährdet den Hochwasserabfluß, entzieht dem Wasser nachts Sauerstoff und bildet Faulschlamm am Gewässergrund.

Dieses Problem hat der Erftverband - dessen Gebiet sich auf einer Fläche von 1.800 Quadratkilometer ausdehnt - recht gut im Griff. Was ihm aber mehr Probleme bereitet, sind die Schwermetalle, die vom Oberlauf im Raum Mechernich erftabwärts gespült werden.

"Seit Jahr und Tag ist dieser Bereich in der Eifel eng mit dem Bergbau verbunden. Bis zur Mitte der 50er Jahre war dort noch ein Unternehmen zur Blei- und Erzgewinnung tätig", erklärte Ekkehard Christoffels, der beim Erftverband Bergheim für die Gewässergüte verantwortlich zeichnet. Obwohl der Burgfeyer Stollen seit gut 40 Jahren stillgelegt ist, werden auch heute noch Erzmineralien ausgespült.

Und das auf ganz natürliche Weise: Bei Regen sickert das Wasser durch den Berg und wäscht die erzhaltigen Schichten aus. Das belastete Naß gelangt dann über den Vey- und Bleibach in die Erft. Alleine 25 Tonnen Zink und zwölf Tonnen Nickel kommen auf diese Art jährlich in die Erft.

"Wir haben aber auch Kadmium und Kobalt nachweisen können - also ebenfalls Schwermetalle, die wasserlöslich sind und weiträumig vom Fluß transportiert werden können", erklärte Christoffels.

Hinzu kommt Blei, das sich allerdings größtenteils in der Umgebung von Mechernich auf dem Gewässergrund absetzt. "Zinn, Nickel, Kadmium und vor allem Kobalt sind aber auch noch im Unterlauf zwischen Grevenbroich und Neuss zu finden", betonte der Ingenieur. Die Konzentration liege allerdings in einem minimalen Bereich, da hier die Erft zusätzliches Wasser durch die Grundwasserabsenkung des Tagebaus erhält.

"Damit tritt eine Art Verdünnungseffekt ein", erklärte Ekkehard Christoffels. Im Mechernicher Raum aber ist die Erft mit Zink kritisch belastet und mit Blei stark verschmutzt. Das haben biologische Untersuchungen des Verbandes ergeben, in deren Rahmen ein drastischer Artenrückgang festgestellt wurde.

Beispielsweise der Flohkrebs "Gammarus pulex", Nahrungsquelle vieler Erftfische, ist dort gar nicht mehr zu finden. "Insgesamt kann die Gewässerqualität der gesamten Erft mit Zwei bis Drei benotet werden. Unser Ziel ist aber eine glatte Zwei im Gesamtverlauf", betonte Ekkehard Christoffels.

Um diese Note zu erreichen, müßten aber die Schwermetalle beseitigt werden. Einen ersten Versuchsballon ließ der Erftverband vor etwa zweieinhalb Jahren bei Mechernich starten: Er errichtete eine Pilotanlage, mit der Schwermetalle zurückgehalten werden können - "und zwar so, daß sie im Ablauf des Wassers nicht mehr nachweisbar sind", erklärte Christoffels.

Dieses Projekt, das zur Zeit allerdings nur Teilmengen des Wassers bearbeitet, funktioniert nach dem Ionentausch-Verfahren. Und das klingt recht simpel: Kleine Harzkugeln mit Natrium- und Kalzium-Ionen werden ins Wasser abgegeben und binden dort die vorhandenen Schwermetalle. Ist die Kapazität dieser Kugeln erschöpft, werden sie mit Hilfe einer Säure gereinigt.

Dort lagern sich Kadmium, Zink, Blei, Nickel und Kobalt ab. Angenehmer Nebeneffekt: "Diese schwermetallhaltige Flüssigkeit kann in der Industrie wiederverwendet werden. Wir produzieren damit ein Wirtschaftsgut, das in der metallverarbeitenden Branche durchaus Abnehmer findet", betonte Ekkehard Christoffels. Einige Firmen hätten sich bereits für dieses Material interessiert, es gebe potentielle Abnehmer für die Reststoffe.

Sinn und Zweck dieses Pilot-Projekts: Mit seiner Hilfe sollten Planungsgrößen für eine großtechnische Anlage ermittelt werden. "Die Technik funktioniert, wir sind sehr zufrieden", resümierte der Wasser-Experte. Auch Kosten wurden ermittelt: "Ein solches Vorhaben wäre etwa so teuer wie eine mittlere Kläranlage. Wir rechnen damit, daß die laufenden Kosten um eine Million Mark im Jahr liegen - das ist kein Pappenstiel", meinte Christoffels.

Nun würden Überlegungen angestellt, wie sich eine solche Anlage finanzieren ließe: "Wir loten aus, ob es die Möglichkeit einer Drittfinanzierung gibt. Außerdem stellt das Land die Forderung nach der Gewässer-Güteklasse II, auch hier laufen derzeit Gespräche." Zu welchem Zeitpunkt der Ionen-Austausch in größerem Rahmen gefahren werden kann, steht noch in den Sternen.

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