Grevenbroich - ein Paradies für Graureiher

Rund 100 Exemplare in der Schloss-Stadt

Der letzte Großvogel Mitteleuropas fühlt sich in Grevenbroich längst heimisch: Auf rund 100 Exemplare schätzt Norbert Wolf die Graureiher-Population in der Schloss-Stadt. Das war aber nicht immer so: "Vor gut 15 Jahren gab es hier nur vereinzelte Reiher - und dann ließ sich im Gustorfer Bend von heute auf morgen eine ganze Brutkolonie nieder.

Graureiher picture
NGZ-Foto: H. Jazyk

Die Reiher-Population in Grevenbroich ist in den vergangenen 15 Jahren stark gewachsen. Umweltbeauftragter Norbert Wolf schätzt die Zahl der Groß-Vögel auf rund 100. Alleine in der Gustorfer Kolonie wurden in diesem Jahr etwa 40 Jungtiere ausgebrütet. Im Winter wird sich die Reiher-Zahl in der Schloss-Stadt drastisch erhöhen - dann kommen auch Tiere aus der Umgebung an die Ufer der warmen Erft.

Das war damals so etwas wie eine kleine Sensation", erinnert sich der städtische Umweltbeauftragte. Seither haben sich die 90 Zentimeter langen Vögel mit einer Flügelspannweite bis zu 1,70 Meter munter vermehrt. "Kein Wunder, denn hier finden sie ideale Lebensbedingungen vor", weiß Wolf.

Denn die Erft bietet den grau gefiederten Tieren einen reich gedeckten Nahrungstisch - vor allem in strengen Wintern, da der Fluss mit warmen Sümpfungswässern von RWE Rheinbraun gespeist wird und nicht gefriert. Ein Umstand, der Reiher aus der ganzen Umgebung zur kalten Jahreszeit nach Grevenbroich lockt. Allerdings gehören nicht nur Fische und Frösche zum Speiseplan der Orange-Schnäbel - sie schnappen sich gerne auch mal einen alternativen Snack.

"Denn Mäuse und Ratten schmecken ihnen ebenfalls gut - während der Erntezeit besteht etwa 60 Prozent ihrer Nahrung aus Nagetieren. Daher sind Graureiher häufig hinter Pflügen anzutreffen, wo sie den weichen Boden durchsuchen", erklärt Norbert Wolf. Ihm ist es um den Reiher-Bestand in der Schloss-Stadt nicht bange. Denn alleine die Kolonie im Gustorfer Bend brachte in diesem Jahr etwa 40 Jungvögel hervor.

Zudem gibt es ein Einzel-Brutpaar, das sich im Bereich der Feilenhauerstraße aufhält. "Ob sich dort auch Nachwuchs eingestellt hat, ist schwer zu sagen, denn diese Tiere sind sehr scheu und lassen niemanden näher als 100 Meter an sich heran", so der Umweltbeauftragte. Ganz im Gegenteil zu den Gustorfer "Kolonisten": "Sie können schon aus einer Distanz zwischen zehn und 15 Meter beobachtet werden. Die Vögel haben sich in den vergangenen Jahren halt an den Menschen gewöhnt." (wilp)

© ngz-online, Neuss-Grevenbroicher Zeitung

Quelle: http://www.ngz-online.de/ngz/news/grevenbroich/2002-1016/graureiher.html